Die Zeitreise zum Ursprung elektronischer Musik

Es ist fast 20 Jahre her, da wollte der WDR in Köln die Miete für sein betagtes elektronisches Studio nicht mehr bezahlen. Man wollte es abbauen und die Einzelteile verschiedenen Einrichtungen wie Museen, Ausstellungen und Sammlungen stiften oder verkaufen. Einen Ton hätte man dann nicht mehr rausbekommen.

Aber da hat man die Rechnung ohne einen der Urväter des Techno gemacht. Der WDR-Toningenieur Volker Müller hat das Studio über drei Jahrzehnte betreut und kennt jedes Kabel. Ihm ist es zu verdanken, dass das Studio ein neues Zuhause bekommt. Eine Umgebung in der es von Tontechnikern, Musikstudenten und elektronischen Komponisten weiterhin verwendet werden kann.

Das Haus Mödrath in Kerpen wird dem Studio, das inoffiziell den Namen Weltkulturerbe elektronischer Musik trägt, ein neues Dach über dem Kopf geben. Ab 2019 soll es dort zu besichtigen sein und 2020 dürfte es wieder betriebsbereit sein.

Eine ausführliche Info-Seite zum Studio für elektronische Musik gibt es bei Wikipedia, dort findet sich auch der Hinweis zum Haus Mödrath.

Was genau macht dieses Studio aber so wichtig? Nun, das ist einfach erklärt. Es gäbe kein Techno und auch keine moderne Popmusik ohne die elektronischen Musikmacher vom WDR. Die ersten Synthesizerklänge wurden dort erzeugt. Bands wie die Beatles haben das Studio für ihre musikalische Revolution genutzt.

Obwohl elektronische Musiker und Komponisten heute alles mit Audiosoftware machen können, bekommt Volker Müller regelmäßig Besuch von Künstlern, die das tonnenschwere Studio vermissen. Sie möchten einen bestimmten Klang erzeugen oder eine Tonfolge und denken, das würde nur in diesem Studio gehen. Er führt die Besucher dann an eine unscheinbare Tankstelle, in dessen Untergeschoss das komplett aufgebaute Studio gerade auf den Umzug wartet.

Das Studio verteilt sich in seinem neuen Zuhause übrigens auf 300 Quadratmeter. Ähnlich wie bei Computern war in den 1950ern noch etwas mehr Platz erforderlich, um elektronische Wunder zu schaffen. Der Umfang und die Komplexität des elektronischen Weltkulturerbes ist auch der Grund, warum der Umzug so lange dauert. Bleiben wir gespannt auf 2020.